EurECA Deutsch EurECA English EurECA Francais
Home EurECA Berichte EurECA Termine und Veranstaltungen EurECA Nachrichten EurECA Artikeln Kritiken EuECA Links EurECA Mitglieder EurECA häufig gestellte Fragen (FAQs) Kontakt
 
EurECA - European Educators' Christian Association
« zurück
 

Daniel: Ein guter Bürger Babylons

 

John Shortt

Ein altes Lied

 

“An den Flüssen von Babylon…” Ich dachte, ganz im Trend zu liegen, wenn ich diesen Morgen mit jenem Lied eröffnete. Dann schaute ich nach und entdeckte, dass dieses Lied vor etwa 30 Jahren ein Hit von Boney M. war – und zwar 1978! Also nicht ganz so modern, wie ich dachte!


Das Lied beruht natürlich auf Psalm 137, wo beschrieben wird, wie die Verbannten aus Jerusalem ihre Harfen an die Pappeln in Babylon hängen. Sie weinen, weil die Leute von ihnen fordern, ein Lied von Zion zu singen, um sie zu verspotten. „Wie können wir des Herrn Lieder singen, während wir auf fremder Erde sind?“

 

Das alte Babylon liegt etwa 50 Meilen südlich vom heutigen Bagdad. Etwa 600 v. Chr. war dies das Zentrum des babylonischen Reiches, wohin König Nebukadnezar die Geiseln aus Jerusalem wegführte. Unter ihnen befanden sich auch einige gut aussehende und intelligente junge Männer von edler Herkunft. Einer von diesen war Daniel.
Hätte er wohl Worte wie die aus Psalm 137 gesungen, oder mit Boney M. getanzt? Ja, vielleicht. Sicher aber hat er um Jerusalem vor Gott geweint. Und ich kann mir vorstellen, dass er mit Boney M. in diesen Refrain mit eingestimmt hätte: „Lass die Worte meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig sein vor Dir!“
Aber ich glaube nicht, dass er viel Zeit damit verbracht hätte, in Nostalgie zu baden und an die Rückkehr nach Jerusalem zu denken. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er bei folgendem bekannten Lied mitgesungen hätte.“ Führt mich nach Hause, ihr einsamen Straßen, an den Ort, wo meine Heimat ist“ oder dass er mit Tränen auf eine Gelegenheit gewartet hätte, zurückzukehren.


Für Daniel war Babylon nicht der Platz, wo er weinend herumsaß und sich nach der Heimat sehnte, sondern es war ein Platz, auf dem man Gott dienen konnte.

 

Ein wichtiger Brief

 

In dieser Zeit sandte der Prophet Jeremias, der in Jerusalem zurückgeblieben war, einen Brief an die Verbannten in Babylon. In Jer. 29 wird darüber berichtet. Er schrieb folgendes: „So spricht der Herr der Heerscharen der Gott Israels: An alle Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel gefangen weggeführt habe: Baut Häuser und wohnt darin! Pflanzt Gärten und esst ihre Früchte! Nehmt Frauen und zeugt Söhne und Töchter.....Und sucht den Frieden der Stadt, in die ich Euch gefangen weggeführt habe, und betet für sie zum Herrn, denn in ihrem Frieden werdet ihr Frieden haben.“

 

„Shalom“ bedeutet Frieden als Lebensstil. Shalom ist nicht nur Abwesenheit von Feindschaft, sondern wie es Nick Wolterstorff eindrücklich in einem seiner Bücher beschreibt, „in Shalom zu leben, heißt, in Freude zu leben vor Gottes Angesicht, in Freude zu leben an dem Ort, wo man wohnt, in Freude zu leben mit den Menschen seiner Umgebung und Freude zu haben an sich selbst“. Das kann also nicht reduziert werden auf bloßen materiellen Reichtum, der sich auf Wohlstandsdenken gründet, was für einen Nachfolger des Mannes nicht würdig ist, der kein Heim hatte und an einem römischen Kreuz starb!


Ob Daniel diesen Brief wohl gelesen hat? Darüber wird uns nichts berichtet. Aber wir können annehmen, dass er in die Planung der Hängenden Gärten von Babylon einbezogen worden war, von denen man sagt, dass sie unter Nebukadnezar angelegt worden seien. Aber die Vermutung ist begründet, denn er war ein Mann mit Erfahrung und hatte sich eine hohe Stellung in Babylon erworben...immerhin war es ein Abgesandter des Königs, der diesen Brief überbracht hatte.

 

Ein guter Bürger

 

Wie dem auch sei, er musste ihn wohl gelesen haben, denn Daniel tat genau das, was in diesem Brief stand. Er sorgte sich um das Wohlergehen der Stadt Babylon, um ihren Frieden und ihren Wohlstand - und das für viele, viele Jahre während der ganzen Regierungszeit von Nebukadnezar, seinem Nachfolger Balsazar und danach in den Regierungen des Meders Darius und des persischen Königs Kyros, nach der Eroberung Babylons.

 

Daniel beim Gebet

 

Das dauerte mindestens 66 Jahre, bis Daniel über 80 Jahre alt war, und es scheint, dass er auch dann noch tätig war, da wir in Daniel 6,28 lesen können, dass er sowohl unter der Regentschaft von Darius, wie auch unter der von  Kyros, eine führende Persönlichkeit war.


Kyros verfügte, dass die Juden zurückkehren und den Tempel in Jerusalem unter Esra wieder aufbauen konnten. Wir haben aber keinen Bericht darüber, ob sich Daniel ihm angeschlossen hat oder mit Nehemia gegangen ist, der später die Mauern von Jerusalem wieder aufgebaut hat.


In Daniel 21 steht, dass er in Babylon bis zum ersten Regierungsjahr des Königs Kyros blieb. Starb er zu dieser Zeit oder blieb er in Babylon, während die anderen zurückkehrten?


Wir wissen es nicht, aber sicher ist, dass er Babylon unter heidnischen Herrschern viele Jahre treu gedient hatte. Daniel blieb nicht ewig unter Bäumen sitzen und trauerte Jerusalem nach. Er diente Gott und suchte den Frieden, das Glück und Wohlergehen der Stadt, in die Gott ihn geführt hatte. Deshalb ist er für mich einer meiner biblischen Helden. Er war ganz in der Welt, aber absolut nicht von der Welt.

 

Drei Strategien

 

Ich glaube, dass es für uns Christen drei Strategien gibt, hinsichtlich unseres Bezuges zur heidnischen Welt, dem Babylon, in dem wir leben. Die eine ist die vollkommene Trennung. Wir halten uns aus den Angelegenheiten dieser Welt heraus, machen uns unsere Hände nicht schmutzig und bauen uns unser eigenes christliches Gebäude. Wir sind nicht „von der Welt“ und auch nicht „in der Welt“. Wir werden unter unseren Bäumen sitzen bleiben und uns immer nach einem besseren Platz sehnen, von dem wir denken, dass wir dort Gott treuer dienen könnten (und diese Trennung kann sich auch nur auf geistiger Ebene vollziehen, ohne dass sie in die Tat umgesetzt wird, aber sie bleibt nichtsdestoweniger eine Trennung, eben auf geistigem Gebiet). Im Gegensatz dazu steht die vollkommene Identifikation. Wir übernehmen die Lebensart dieser Welt. Wir arbeiten mit den Anderen und verhalten uns auf unseren Arbeitsplätzen genau wie sie. Wir sind „in der Welt“, und wenn wir nicht gerade mit unseren besonderen Aktivitäten in der Kirche befassen oder unsere Hingabe im Privaten leben, sind wir „von der Welt“. Wir unterscheiden uns in nichts von den Anderen und stehen dem Lebensstil dieser Welt gänzlich unkritisch gegenüber.


Zwischen diesen beiden liegt der Weg der Verwandlung, auf dem wir „in der Welt“ aber nicht „von der Welt“ sind.....aber immer danach suchen, sie besser zu machen, wenn auch nie perfekt -  nur Jesus kann das, wenn Er wiederkommt. Aber das heißt nicht, dass wir sie sich selbst überlassen sollten. „Sucht das Wohlergehen der Stadt“ sagte Jeremias in seinem Brief. „Was, von Babylon? Das kannst Du doch nicht so meinen!“ antworten wir. Ja, sogar von Babylon, obwohl gerade dieser Name für Christen und Andere zum Inbegriff von allem wurde, was sich Gott entgegenstellt.

 

Echter Dienst für Shalom

 

 Sucht den Shalom von Babylon, seinen wahren Frieden und Wohlstand. Eignet euch sein ganzes Wissen an. Arbeitet für das Wohlergehen der Gesellschaft, in die Gott euch hineingestellt hat, aber ohne das Fundament eures Glaubens ins Wanken bringen zu lassen. Diesen Weg ist Daniel gegangen: Im Dienst für die Gemeinschaft hielt er treu an Gott fest. Er betete auch zu Gott, als das Gesetz dies verbot und war sogar bereit, dem König zu sagen, dass er verrückt werden würde. Er diente dem Herrscher, aber, was noch wichtiger war, dem König der Könige, indem er dem Herrscher diente und es für ihn da, wo der Anspruch der beiden aufeinander prallte, keinen Zweifel gab, wer den Vorrang hatte. Im Alltag standen Gott und der König nicht immer in Konkurrenz zueinander, sonst hätte Daniel nicht bis ins hohe Alter hinein seine hohe Stellung im Reich halten können. Welche Bedeutung hat das für uns in Bezug auf unsere Arbeitsplätze in der Gesellschaft, unsere Geschäfte und Büros, unsere Schulen und Krankenhäuser? Möge der Herr uns zu wahren Daniels machen, zu guten Bürgern unseres Babylons.

 

(Diese Botschaft wurde bei einem Gebetsfrühstück an Mitglieder einer Gemeinde weitergegeben, und zwar an Leute aus verschiedensten Berufsgruppen). Aber was bringt das für uns als christliche Erzieher mit sich? Welchen Einfluss hat das auf unser Denken über das Leben in modernen Nationalstaaten und welche Auswirkung auf unsere Erziehung, die die Kinder und jungen Leute vorbereiten soll auf das Leben als Bürger in unserem modernen Babylon? Sind wir gute Bürger Babylons? Suchen wir selbst sein „Shalom“ und lehren so die Jungen?)

 

John Shortt