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EurECA - European Educators' Christian Association
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(Die Prager Erklärung können Sie auch auf Englisch, Französisch, Italienisch,  Polnisch, Portugiesisch, Ungarisch, Rumänisch, Russisch, Slowakisch, Spanisch  und Tschechisch lesen. Mit einem Klick können Sie die entsprechende Version herunterladen.)

Christlicher Glaube in Bildung und Erziehung

Prager Erklärung 1997

Teil A: Glaubensgrundlage

A 1. Als Teilnehmerinnen und Teilnehmer2 der EurECA-Konferenz im Kloster St. Johannes-unter-dem-Felsen in Prag vom 16.-19.Mai 1997, halten wir an den historisch geprägten, christlichen Überzeugungen - ausgedrückt in der Glaubensbasis, die wir als Mitgliedsorganisation der Europäischen Evangelischen Allianz (EEA) mit ihr teilen - und ihrer Bedeutung für die Bildung und Erziehung im heutigen Europa fest.

A 2. Die Glaubensbasis der Europäischen Evangelischen Allianz
Als evangelikale Christen bekennen wir uns zur Offenbarung des dreieinigen Gottes in den Schriften des Alten und Neuen Testaments und zu dem geschichtlich begründetem Glauben gemäß dem Evangelium. Wir heben hier folgende Glaubensaussagen hervor, die wir als grundlegend für das Verständnis von Glauben ansehen und die in gegenseitiger Liebe, praktischem christlichem Dienst und evangelistischem Bemühen Gestalt gewinnen sollen.

Wir bekennen uns:

  • zur Allmacht und Gnade Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in der Schöpfung, Offenbarung, Erlösung und Endgericht.
  • zur göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift, ihrer völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität in allen Fragen des Glaubens und des Lebens.
  • zur völligen Sündhaftigkeit und Schuld der gefallenen Menschheit, die sie Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen.
  • zum stellvertretenden Opfer des menschgewordenen Gottessohns als einziger und allein genügender Grundlage der Erlösung von der Schuld und Macht der Sünde und von ihrer ewigen Folgen.
  • zur Rechtfertigung des Sünders allein durch die Gnade Gottes aufgrund des Glaubens an Christus, der gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist.
  • zum Werk des Heiligen Geistes, der Bekehrung und Wiedergeburt des Menschen bewirkt und im Gläubigen wohnt und ihn zur Heiligung befähigt.
  • zum Priestertum aller Gläubigen, die die weltweite Gemeinde, bilden, den Leib, dessen Haupt Christus ist, und die durch seinen Befehl zur Verkündigung des Evangeliums in aller Welt verpflichtet ist.
  • zur Erwartung der persönlichen, sichtbaren Wiederkunft des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit.

A 3. Christliche Glaubensaussagen mit Besonderer Relevanz für Bildung und Erziehung im Heutigen Europe
Als einzelne Christen und als Vertreter christlicher Organisationen, die hauptsächlich im pädagogischen Bereich arbeiten, sind wir davon überzeugt, dass christliche Glaubensaussagen eine besondere Bedeutung für die Theorie und Praxis der Pädagogik haben. Solche besonders relevanten Glaubensgrundsätze sind die folgenden:

A 3.1 Die Dreieinigkeit Gottes
Wir glauben, dass es einen Gott in drei Personen gibt: Gott, den Vater, Jesus Christus, den Sohn, und Gott, den Heiligen Geist.

Die Existenz Gottes bildet das Fundament für menschliches Erkennen aus der Beziehung zu Ihm heraus. Die Existenz des einen Gottes in drei Personen ist die Grundlage für menschliche Individualität sowie für die soziale Einbindung des Menschen in eine Gemeinschaft.

A 3.2 Die Schöpfung
Wir glauben, dass Gott das Universum geschaffen hat, es als gut bezeichnet hat und es in seiner Existenz erhält.

Alles ist deshalb von Gott zu seinen Zwecken entworfen und gehört Ihm. Das heißt auch, dass nichts uns so gehört, dass wir es behandeln können, wie wir es wollen.

A 3.3 Geschaffen nach dem Bild Gottes
Wir glauben, dass Gott alle menschlichen Geschöpfe nach seinem eigenen Bild gemacht hat.

Unser körperliches, geistiges, emotionales, kreatives, moralisches und geistliches Wesen unterscheidet uns von anderen geschaffenen Wesen.

Die Menschen wurden für liebevolle Beziehungen geschaffen, sowohl gegenüber Gott wie auch dem Nächsten in Familie, Ortsgemeinschaft, Gesellschaft und in der Welt.

Alle Menschen haben die gleiche Würde. Sie verdienen in gleicher Weise Liebe und Achtung, unabhängig von Rasse, Geschlecht, Alter und sozialem Status.

Jeder Mensch ist einzigartig in seiner Persönlichkeit und seinen Gaben und ist letztendlich vor Gott verantwortlich, vor allem für die Pflege und Erhaltung der Schöpfung.

A 3.4 Die Offenbarung Gottes
Wir glauben, dass Gott sich selbst auf verschiedene, sich nicht widersprechenden Weisen offenbart:

  • im Universum, das er geschaffen hat, in der Geschichte und im menschlichen Gewissen;
  • in seinem Sohn Jesus Christus, der in diese Welt kam, und
  • in den Schriften des Alten und Neuen Testaments, die der Heilige Geist inspiriert hat und die er bis heute auslegt.

Für uns haben die biblischen Schriften letzte Autorität, und wir sind deshalb nicht völlig auf uns gestellt in unserem menschlichen Ringen um Erkenntnis, Verstehen und Weisheit.

Wahres Erkennen ist möglich, auch wenn die Erkenntnis bei uns sterblichen Wesen immer begrenzt ist.

A 3.5 Der Sündenfall
Wir glauben, dass die Menschen sich auf Satans Einflüsterungen hin entschieden haben, gegenüber Gott ungehorsam zu sein. In der Folge wurden wir von Natur aus sündig. Das war folgenschwer auch für die ganze Schöpfung.

Dies hat zu einer Welt geführt, in der das Gute und das Böse im Streit liegen. Das Wirken Satans und die Sündhaftigkeit unseres Wesens beeinträchtigen alle Gebiete unseres Lebens, alle unsere Beziehungen und deshalb auch unser Erkennen. Unsere Erkenntnis als gefallene Geschöpfe ist nicht nur begrenzt, sondern auch verzerrt und für Fehler und Irrtümer anfällig, da wir nun dazu tendieren, in menschlicher Erkenntnis die letzte Instanz zu sehen, und nicht in der göttlichen Offenbarung.

Tatsächlich gibt es eine Wirklichkeit, die wir erkennen können. Aber statt den Anspruch zu erheben, dass wir sie im Griff hätten, sollten wir immer demütig die Möglichkeit anerkennen, dass wir irren können.

A 3.6 Die Erlösung
Wir glauben, dass rechte Beziehungen - zu Gott, zur Schöpfung und zu anderen Menschen - nur wiederhergestellt werden können auf der Grundlage des Todes und der Auferstehung Jesu Christi und durch den Glauben an ihn.

Obwohl viele in unserer heutigen pluralen Gesellschaft behaupten, dass sie Wege zur Erkenntnis und zur Lebenserfüllung anbieten, können wir nur durch den lebendigen Glauben an Christus wahre Freiheit erfahren und Schritt für Schritt Christus ähnlicher werden.

A 3.7 Die weltweite Gemeinde Jesu Christi
Wir glauben, dass diejenigen, die durch Christus in Gott ihr Vertrauen setzen, dazu berufen sind, als Volk des lebendigen Gottes in unserer heutigen Welt zu leben.

Dies schließt eine Berufung ein zum Dienst an anderen Menschen, vor allem an Kindern, an Armen und an Benachteiligten, sowie die Ausübung eines erneuernden Einflusses innerhalb der Gesellschaft.

A 3.8 Die Zukunft der Menschheit
Wir glauben, dass Gott in seiner Souveränität durch Christus und den Heiligen Geist im Ablauf der menschlichen Geschichte mitbeteiligt und mitbestimmend ist. Der Ablauf bewegt sich auf die Wiederkunft Jesu Christi und die Errichtung seines Königreiches hin.

Alles bewegt sich deshalb auf ein Ziel hin. Nichts wird bleiben, wie es war oder gegenwärtig ist.

Christlicher Glaube in Bildung und Erziehung1 Prager Erklärung 1997

Teil B: Bildung und Erziehung in Europa

B 1. Als Teilnehmerinnen und Teilnehmer2 der EurECA-Konferenz vom 16.-19.5.1997 im Kloster St. Johannes-unter-dem-Felsen in Prag sind wir von der Bedeutung des historisch geprägten christlichen Glaubens für die Bildung und Erziehung im heutigen Europa überzeugt. Dieser gründet sich auf die Glaubensbasis der Europäischen Evangelischen Allianz (EEA), deren Mitgliedsorganisation wir sind. (Vgl. Prager Erklärung Teil A: Glaubensgrundlage).

Als christliche Pädagogen arbeiten wir in einer Vielzahl von pädagogischen Bereichen, darunter öffentliche und private Einrichtungen, christliche und säkulare Schulen. Unsere Perspektive für die Zielsetzung, die Inhalte und die Praxis des pädagogischen Arbeitens ist geprägt durch die Grundlage des christlichen Glaubens, wie in Teil A niedergelegt. Inmitten unserer pluralistischen Gesellschaftsstrukturen möchten wir diese Sichtweise anderen Menschen im Geiste gegenseitigen Verstehens mitteilen. Dies sind unsere hochgesteckten Ziele, auf die wir hinarbeiten möchten. Wir erkennen die Tatsache an und respektieren sie, dass andere Menschen sich andere Ziele gesetzt haben.

Dabei sind wir der Auffassung, dass man einem harmonischen Miteinander in der Gesellschaft besser dient, wenn man unterschiedliche Vorstellungen miteinander austauscht und gemeinsam bespricht, statt sie aus der öffentlichen Diskussion über Bildung und Erziehung herauszuhalten.

In unseren heutigen demokratischen Staaten haben Christen eine Verpflichtung, für eine christliche Auffassung von Bildung und Erziehung auf allen Ebenen der Landes- und Bundesregierungen bis hin zur Europäischen Kommission einzutreten.

B 2. Das Umfeld für Bildung und Erziehung in Europa
Wir haben folgende drei brisante Situationsfelder im Blick, wenn wir christliche Leitlinien für Bildung und Erziehung vorlegen:

B 2.1 Die soziale, wirtschaftliche und politische Situation

  • die Veränderungen in den Familienstrukturen und eine Unfähigkeit zum Aufbau und Erhalt von Beziehungen.
  • die Suche nach neuer Identität innerhalb geschichtlich gewachsenen Völkergruppen, die nostalgisch auf ihre ferne Vergangenheit zurückschauen. Zur selben Zeit und im Konflikt zum Vorigen erwacht eine Suche nach neuer europäischer Identität, die global gesehen ziemlich engstirnig erscheinen kann.
  • größere Mobilität durch die nun geöffneten nationalen Grenzen, die zu Spannungen führen zwischen neu erwachendem Rassismus und dem Bemühen um eine offenere multikulturelle Gesellschaft.
  • Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus dominiert eine um sich greifende Philosophie des Freien Marktes, in der der Individualismus des autonomen Verbrauchers alles beherrscht.
  • Ernüchterung, Skepsis und mangelndes Vertrauen in politische Systeme führten, nachdem beide Systeme - der Kommunismus wie auch der Kapitalismus - versagt haben, zu einem vorherrschenden Pragmatismus, besonders in Osteuropa.

B 2.2 Die geistliche und geistige Situation

  • die Suche nach einer neuen "Spiritualität" 3, die mit dem Verfall des aufklärerischen Modernismus und dem Verlust einer universalen Weltanschauung einhergeht.
  • Bleibende Spuren des christlichen Einflusses im nationalen Kulturerbe der jeweiligen Länder sind auf dem ganzen Kontinent zu beobachten (die früheren kommunistischen Länder eingeschlossen) und die etablierten christlichen Konfessionen versuchen, verlorene Gebiete zurückzugewinnen.
  • ein erwachender Pluralismus, der die Gleichwertigkeit aller Weltanschauungen und Lebensstile und die Toleranz als die höchste Tugend postuliert.

B 2.3 Die pädagogische Situation
Eine Vielzahl von offiziellen und privaten Einrichtungen wie z.B. schulische und pädagogische Institutionen, Kirchen, Jugendverbände4 und die Familie wirken pädagogisch auf Kinder und Jugendliche ein.
Es gibt einen bisher einmaligen Zugang zu Informationen.
Akustische und visuelle Medien sind auf dem Vormarsch.
Eine weit verbreitete Besorgnis gilt dem moralischen Werteverfall und dem Abbau von schulischen Bildungsstands.
Noch nie hat es eine so rasante und permanente Umwälzung aller Lebensverhältnisse gegeben.

B 3. Christliche Leitlinien für die Theorie und Praxis der Erziehung und Bildung
Wir sind von den folgenden Grundsätzen für die Bildung und Erziehung im heutigen Europa überzeugt:

B 3.1 Verantwortlichkeiten in Erziehung und Bildung

B 3.1.1 Eltern sind vorrangig für die Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder verantwortlich. Sie haben daher sicherzustellen, dass die Art der Erziehung und Bildung ihrer Kinder, so weit möglich, im Einklang mit ihren eigenen Glaubens- und Wertvorstellungen steht. Dem kann im Rahmen eines Hausunterrichts5 oder durch Schulen unter kirchlicher, freier oder staatlicher Trägerschaft entsprochen werden.

B 3.1.2 Die Verantwortlichkeit der Lehrerinnen und Lehrer für die Erziehung und Bildung der Kinder in ihrer Obhut gilt als stellvertretend für die Eltern, in dem Einvernehmen, dass die Eltern weiterhin in der Erziehung und schulischen Ausbildung einbezogen bleiben sollen.

B 3.1.3 Sowohl Schülerinnen und Schülern als auch Lehrerinnen und Lehrern, ja allen Menschen, ist es eine Verpflichtung, sich einem lebenslangen Lernprozess in partnerschaftlichem Miteinander zu unterziehen.

B 3.1.4 Christliche Kirchen und Gemeinden tragen die Verantwortung für die Unterweisung ihrer Mitglieder und deren Kinder für ein Denken und eine Lebenspraxis gemäß der Nachfolge Christi. Sie haben auch die umfassende Aufgabe, ihrer kommunalen Gemeinde zu dienen, indem sie die Liebe Gottes in einer gescheiterten Welt darstellen und umsetzen. Dies geschieht u.a. durch ihr gesellschaftliches Engagement in Erziehung und Bildung. (Vgl. A 3.7)

B 3.1.5 Verantwortliche Eltern bereiten ihre Kinder darauf vor, kritisch auf Unterrichtsstunden und schulischen Aktivitäten zu reagieren, die ihren eigenen Glaubens- und Wertvorstellungen klar widersprechen. Wo nötig, sollen Eltern ihre Kinder von solchem Unterricht und solchen Aktivitäten fernhalten.

B 3.1.6 Regierungen in ihrer Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Bürger müssen auch für die Ausbildungsmöglichkeiten von deren Kindern Sorge tragen. Auch ist der Staat für ein Mindestmaß an gemeinsamen Normen und Werte verantwortlich, darf dabei aber nicht die Entwicklung ausgeprägter Wertsysteme hemmen. Insbesondere darf der Staat die Verantwortung der Christen für die Gestaltung von Erziehung und Bildung aus ihrem Glauben heraus nicht untergraben.

B 3.1.7 Alle Menschen, die in irgendeiner Weise pädagogisch wirken und arbeiten, müssen in letzter Instanz Gott Rechenschaft geben über ihr Handeln.

B 3.2 Ziele in Bildung und Erziehung

B 3.2.1 Wir sind davon überzeugt, dass Erziehung und Bildung jeden Menschen ein Leben lang betreffen. Dabei geht es um folgendes:

  • die Entwicklung der ganzheitlichen Persönlichkeit (sowohl im geistlichen Zusammenhang wie auch in der Entwicklung des Willens, des Intellekts, des Gefühls, des Körpers, der Moral, der sozialen und kulturellen Kompetenz).
  • ein ganzheitliches Verständnis der Wirklichkeit mit allen unterschiedlichen Wegen ihrer Erschließung (z.B. ethisch, mathematisch, linguistisch, geschichtlich, ästhetisch, naturwissenschaftlich) .
  • die Erfahrung des ganzen menschlichen Lebensraums und seiner unterschiedlichen Ausdrucksformen (z.B. Arbeit und Spiel, Ruhen, Besinnung, kreatives Schaffen und Phantasie, Entdeckerfreude).

B 3.2.2 Erziehung und Bildung sollen daher folgende Gelegenheiten bieten:

  • die Person Jesus Christus kennenzulernen und seinen Anspruch auf das menschliche Leben zu verstehen (Vgl. A 3.4 und A 3.6).
  • Wahrheit von Unwahrheit unterscheiden zu lernen und Gutes statt Bösem zu wirken (Vgl. A 3.5).
  • als verantwortliche Bürger in Beziehungen gegenseitiger achtungsvoller Liebe und gegenseitigen Dienens zu leben, sowohl in der Familie als auch in der Nachbarschaft, der Kommune und der Gesellschaft (Vgl. A 3.1; A 3.3; A 3.6 und A 3.7).
  • alle Erscheinungen der Schöpfungswirklichkeit zu studieren und verantwortlicher Umgang damit zu lernen (Vgl. A 3.3).
  • die Schönheit und Wunder, die Gott gemacht hat, sowie Errungenschaften des Menschen und menschliche Kreativität anzuerkennen und zu geniessen (Vgl. A 3.2 und A 3.3).
  • praktische Fertigkeiten sowie Fähigkeiten zu sozialer Kommunikation, kreativer Betätigung und Entscheidungsfindung zu entwickeln. (Vgl. A 3.3).
  • den eigenen geschichtlichen Hintergrund und sein kulturelles Erbe zu verstehen, zu schätzen und kritisch zu bewerten (Vgl. A 3.4 und A3.7).

B 3.3 Inhalt der schulischen Bildung

B 3.3.1 Unterricht soll an das Verständnis von Gottes Schöpfungswirklichkeit mit all ihren wechselseitigen Verflechtungen heranführen (Vgl. A 3.2 und A 3.3).

B 3.3.2 Die Auswahl, der Inhalt und die Struktur der Lehrpläne bzw. Stoffverteilungspläne spiegeln die Grundüberzeugungen der Verfasser wider. So ist ein Curriculum niemals wertneutral. Eine gültige Basis zur inhaltlichen und strukurellen Bestimmung des Curriculums kann deshalb in den Glaubensüberzeugungen und Wertvorstellungen der Bibel gefunden werden (Vgl. A 3.4).

B 3.3.3 Ein zentrales Element der Bildung soll die Entwicklung des Unterscheidungsvermögens sein, um den alles durchdringenden Charakter von Welt- und Lebensanschauungen sowie Wertvorstellungen zu erkennen. Den Schülerinnen und Schülern sollte geholfen werden, zwischen verschiedenen Weltanschauungen zu differenzieren und ihre eigenen Ansichten sowie die Ansichten anderer kritisch zu bewerten. Dies gilt für alle Unterrichtsfächer und liegt auch dem besonders wichtigen Studiums der Bibel zugrunde (Vgl. A 3.4).

B 3.3.4 Neben dem offiziellen Lehrplan sind wir auch von der Bedeutung des "heimlichen" Lehrplans6 überzeugt. Deshalb müssen die gesamte Gestaltung des Lebensraumes "Schule" sowie die Inhalte der einzelnen Unterrichtsfächer durchgängig die Auffassungen und Wertvorstellungen unseres Glaubens überzeugend zum Ausdruck bringen.

B 3.4 Unterrichtsmethoden

B 3.4.1 Das Alte und Neue Testament, besonders das Beispiel Christi, stellen eine wichtige Quelle für angemessene und vielfältige Unterrichts-und Lehrmethoden dar (Vgl. A 3.4).

B 3.4.2 Autoritätsbeziehungen voller Achtung und Liebe sind von zentraler Bedeutung, um eine sichere Lernumgebung zu schaffen (Vgl. A 3.3).

B 3.4.3 Lehrerinnen und Lehrer sollen den christlichen Glauben und die christlichen Werte in ihrer Haltung und Einstellung sowie ihrem Unterrichts-und Erziehungsstil verkörpern (Vgl. A 3.6).

B 3.4.4 Die Unterrichtsmethoden sollen daraufhin zugeschnitten sein, dass sie die Fähigkeit der Schülerinnen und Schüler entfalten, Verantwortung für ihre eigenen Lebensanschauungen und Werte zu entwickeln. Die Unterrichtsmethoden sollen sie nicht manipulieren oder sie zur Annahme von Lebensanschauungen und Werten anderer zwingen (Vgl. A 3.3).

B 3.4.5 Unterrichtsmethoden sollen die Achtung vor der persönlichen Würde der einzelnen Schülerinnen und Schüler zum Ausdruck bringen, um in ihnen eine angemessene Selbstachtung zu entwickeln (Vgl. A 3.3).

B 3.4.6 Die Unterrichtsmethoden sollen ausgerichtet sein an

  • dem Wesen des Unterrichtsinhaltes,
  • den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Schülerinnen und Schüler,
  • und den verschiedenen Lernstilen der Schülerinnen und Schüler.
    Dadurch sollen sie gut den Unterrichtsstoff aufnehmen können und die Fähigkeit entwickeln, für ihr eigenes Lernen Verantwortung zu übernehmen (Vgl. A 3.3).

B 3.4.7 Ein Führungsstil, der Disziplin erwartet, ist notwendig wegen der gefallenen Natur der Menschen. Der Führungsstil sollte von Liebe geprägt sein und Lob und Belohnung miteinbeziehen. Und er sollte auf eine positive Veränderung abzielen, die Reue, Vergebung und Wiedergutmachung einschließen (Vgl. A 3.3; A 3.5 und A 3.6).

B 3.4.8 Gute Begleitung und Beratung der Schüler7 ist wesentlich und soll den realen Bedürfnisse der Kinder und der Familien entsprechen. Diese Vorgänge sollen von Methoden geprägt sein, die mit der biblischen Lehre vereinbar sind und die die Liebe und das Verständnis Jesu Christi widerspiegeln.

B 3.4.9 Pädagogen sollen ihre Schülerinnen und Schüler zu einem lebenslangen Lernen ausrüsten und motivieren (Vgl. A 3.6).

B 3.5 Schulpolitik, Schulverwaltung und Schulleitung

B 3.5.1 Die Bildungs- und Schulpolitik im allgemeinen und die Leitung und Verwaltung von einzelnen pädagogischen Einrichtungen sollen den übergeordneten Erziehungszielen und nicht nur einer nach Gesichtspunkten der bloßen Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Orientierung dienen (Vgl. B 3.2).

B 3.5.2 Die Schulpolitik einer Regierung und die Leitung einer örtlichen Schule sollen immer darauf ausgerichtet sein, Menschen zu schützen und zu helfen, die arm, an den Rand gedrängt, machtlos oder benachteiligt sind (Vgl. A 3.3).

B 3.5.3 Entscheidungsträger in Schule und Erziehung sollen klare, zielgerichtete Vorstellungen im Auge behalten und diese in anderen wecken. Sie sollen in dienender Haltung statt mit Machtgehabe ihre Aufgabe ausüben (Vgl. A 3.3).

B 3.5.4 Die Ausübung von Macht soll geprägt sein von Autorität, Transparenz und realistischer Umsetzbarkeit der Maßnahmen, nicht dagegen von einem nur bestrafenden, einengenden und autoritären Charakter (Vgl. A 3.3).

B 3.5.5 Die Leitung und Verwaltung von Schulen ist von entscheidender Bedeutung. Christliches Denken und christliche Werte haben einen besonders wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer guten Schulatmsophäre zu leisten.

B 3.5.6 Die Schulleitung soll Lehrerinnen und Lehrer bevollmächtigen, einen effektiven Führungsstil im Klassenzimmer zu entwickeln. Sie soll Lehrerinnen und Lehrer beraten und begleiten und ihnen berufliche Fort- und Weiterbildung ermöglichen.

1 [Anmerkung der Übersetzerin: "education" ist im Englischen ein weit gefasster Begriff, der Teilaspekte wie Lehren und Lernen, Erziehung und Bildung sowie pädagogisches Arbeiten in den verschiedensten Einrichtungen und mit unterschiedlichen Gruppen einschließt. "Education" findet nicht nur in der Familie und der Schule statt, sondern auch in der Kirche oder Gemeinde, im Kindergarten, in den Berufs- und Fachschulen, in der Ausbildung, in der Erwachsenenbildung, in den Hochschulen etc. Meist wird in diesem Dokument der Doppelbegriff "Bildung und Erziehung" benutzt.]

2 [Anmerkung der Übersetzerin: Wo von Lehrern und Schülern die Rede ist, habe ich die entsprechenden weiblichen Bezeichnungen, wie allgemein üblich, hinzugefügt. Die Bezeichnungen wie "Christen", "Gläubige", "Menschen" etc. schließen m.E. Frauen und Männer ein. Allerdings um den Text flüssig zu gestalten, habe ich die inklusive Sprache in letzter Konsequenz mit den entsprechenden Pronomen nicht durchgehalten. Ich bitte um Ihr Verständnis..]

3 [Anmerkung der Übersetzerin: Mit "Spiritualität" ist die Orientierung nach sinnstiftenden Erfahrungen und einer religiösen Verankerung gemeint, die z.T. in der Esoterik, den Sekten und Weltreligionen gesucht wird.]

4 [ Anmerkung der Übersetzerin: Mit dem Wort "Jugendverbände" umschrieben ist jegliche Art von Kinder-und Jugendarbeit auf freiwilliger Basis gemeint. Christliche Schülerarbeit ist dabei inbegriffen.]

5 [Anmerkung der Übersetzerin: Die Durchführung von Hausunterricht durch die eigenen Eltern, ist in manchen europäischen Ländern zulässig, in Deutschland aber nicht erlaubt.]

6 [Anmerkungen der Übersetzerin: "Heimlicher Lehrplan" umfasst alles, was ungeplant innerhalb der Schule geschieht und auf Schülerinnen und Schüler prägend wirkt z.B. die Schulatmosphäre oder die praktizierten Lebens- und Unterrichtsstile.]

7 [Anmerkung der Übersetzerin: Im Dokument steht das englische Wort "pastoral care", das laut Wörterbuch mit dem deutschen Wort "Seelsorge" übersetzt werden kann, das aber meines Erachtens zu viele christliche und kirchliche Aspekte mitschwingen lässt, das das englische Wort nicht hat. Das englische Wort für christliche oder kirchliche Seelsorge ist nämlich "counselling".]