Lebenslanges Lernen
Ann Holt und Mike Simmonds
„Am Anfang schuf Gott….“
Erziehung
ist ein Teil dieser „Am Anfang“ Geschichte. Lernen
und Sich Entwickeln ist im Schöpfungsbefehl enthalten,
der uns schon in den ersten Kapiteln der Bibel offenbart wird.
Diese Schöpfung ist mehr als nur Zeugung und geht über
das Bild der Ernte hinaus, wo nach dem Ackern und Säen
dann die Frucht eingebracht wird, so wie oft aus einer engen
Sicht das Entstehen von Kindern interpretiert wird.
Wenn wir nach dem Bild Gottes geschaffen wurden, so heißt
das auch, dass wir nach dem Bild von Gott, als dem Schöpfer,
gemacht wurden. Es bedeutet, dass wir den grundlegenden Auftrag
haben, kreativ zu sein.
Theologen drücken das so aus: Der Mensch als „Mit-Schöpfer“
Gottes, und dabei geht es nicht nur darum, Seine Befehle auszuführen,
sondern dass wir das Potential, das Er in die Schöpfung
hineingelegt hat, zur Entfaltung bringen und weiterentwickeln.
In der ganzen Geschichte führten Menschen oft, ohne
es zu wissen, durch ihre Arbeit jenen Befehl aus. Obwohl vieles,
was der Mensch geschaffen hat, nicht für gute Zwecke
eingesetzt worden ist, kann man den ursprünglichen Befehl,
kreativ zu sein, nicht leugnen. Aber dazu sind Lehre, Lernen
und Entdeckung notwendig.
Gerade
am Anfang hat sich Gott sowohl in der Schöpfung wie auch
in Worten handelnd mitgeteilt. Im Hebräerbrief lesen
wir: „Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei
Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten,
hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn...“
(Hebr. 1,1-2 ) Wenn sich Gott mitteilt, so sollten wir zuhören.
Das Hören allein aber führt nicht zu großartigen
Ergebnissen, sondern erst das Lernen aus dem Gehörten,
das Entdecken und Verstehen, geben den Ausschlag. Es ist der
Wunsch Gottes, dass wir uns in diese Erziehung einbringen,
und das ist ein lebenslanger Prozess.
Zu welchem Zweck?
Jesus sprach darüber, wie man „Jünger“
würde, und dieses Wort geht auf dieselbe Wurzel zurück
wie das Wort „lernen“. Ein Jünger zu sein,
bedeutet, ein Nachfolger oder ein Lernender zu sein. Jesus
selbst sagt: „Lernet von mir“. Was Er von den
12 Männern, die Er gerufen hatte, verlangte, war, Ihn
selbst kennen zu lernen und von Ihm zu lernen. Er wird oft
als der große Lehrer beschrieben, was vermuten lässt,
dass die Menschen von Ihm tatsächlich lernen wollten.
Die Bibel erwähnt den Begriff „Geist“ beinahe
ebenso oft wie das Wort „Herz“, weil das, was
sich in unseren Gedanken abspielt, mit dem Herzen übereinstimmt.
Wenn wir auf Gottes Stimme mit unserem ganzen Herzen antworten,
so erwächst daraus eine Frucht in unserem Geist. In der
ganzen Schrift wird immer wieder der Akt des Lernens sehr
stark betont, und deshalb ist es vorsätzlicher Ungehorsam,
diesem Ruf nicht Folge zu leisten.
Erziehung steht also genau im Zentrum. Sie ist das Herz in
unserem Leben, und mit diesem lebenslangen Lernen geht eine
ständig wachsende Erfahrung einher.
Der populäre Ausdruck des 'lebenslangen Lernens' hinterlässt
den Eindruck, dass Lernen für eine spezifische Ursache
oder einem bestimmten Zweck oder für einen bestimmten
Abschnitt des Lebens gemeint ist.
Der Ausdruck wird heute im Zusammenhang mit der Entwicklung
von neuen Fähigkeiten und als Vorbereitung für neue
Arbeitsstellen gebraucht. In einer Reaktion auf eine Konsultation
für Hochschulbildung der Regierung legte CARE kürzlich
besonderen Nachdruck auf lernen für die Förderung
der Einstellungsfähigkeit und auf die, nur zu oft bevorzugten
ökonomischen Prioritäten der Bildungspolitik.
Der Ausdruck “lebenslanges Lernen“ trifft besonders
auf Lernen zu, durch welches wir zu der Person umgestaltet
werden, als die wir ursprünglich gedacht waren. Und dabei
entdecken wir das Bild Gottes in uns. Genau das tat Jesus,
als Er die 12 Jünger zu sich rief und sie in den 3 Jahren
des Zusammenlebens veränderte. Seine Lehre und die Erfahrungen,
die sie machten, gaben den Anstoß, dass sie zu den Menschen
werden konnten, die sie dann später waren.
Beim Lesen des Neuen Testamentes erkennen wir, dass ihre
Veränderung durch ihr Leben mit Jesus auch weiterhin
andauerte, als sie schon anerkannt waren und Gemeinden bauten.
Biblische Jüngerschaft ist eine lebenslange Erfahrung
– wir können nie sagen: „Es ist geschafft“,
- sondern sie geht weiter bis zu unserem Lebensende. Nur wenn
wir lernen und uns weiterentwickeln, bleibt unsere Flamme
am Leben.
Die Entwicklung von Individualität
Erziehung betrifft auch das natürliche Sein des Menschen.
Es geht um die Entwicklung der für Menschen charakteristischen
Fähigkeiten, wie z.B. die Möglichkeiten sich zu
verhalten, etwas zu verstehen, und etwas zu sein. Viele Schulkonzeptionen
sagen aus, dass die Schule das Potential der Menschen entwickeln
soll. Das wäre der tatsächliche Zweck von Bildung.
Es geht auch darum die Gaben und Talente die wir haben herausfinden,
auch wenn wir die meiste Zeit nicht wissen woher wir sie haben.
Zu Entdecken welche Individualität jeder Mensch hat und
dann zu was sie dadurch befähigt sind ist sehr wichtig.
Das Hebräische Verständnis von 'zu wissen' ist
'verantwortlich zu sein für' und 'verwalten'. Dieses
lässt die Vermutung zu, dass die Bildung tatsächlich
eine besondere Art von Beziehung mit dem Ding ist, das man
versucht zu verstehen, und gleichzeitig wird eine bestimmte
Verantwortung dafür übernommen. Oft heißt
es, dass 'Dummheit keine Entschuldigung vor dem Gesetz ist'
- enthalten in diesem Aphorismus ist die Vorstellung dass,
die Verantwortung was damit geschieht mit dem Wissen verbunden
ist.
Erziehung beinhaltet was wir wissen und wie wir etwas wissen.
Es geht um Sachinformationen aber auch um die Haltung gegenüber
dem Wissen. Es geht um Unterscheidungsvermögen und um
Weisheit; um eine Sicht in Bezug auf die Bedeutung von Dingen
und wie sie benutzt werden. Es geht um Haltungen. Es geht
um Fähigkeiten. Eins der Probleme heute ist, dass das
Lernen und deshalb das Lehren zu einem Satz technischer Fähigkeiten
reduziert worden ist. Wenn wir nicht wachsam sind, könnte
Lehren zwar vermitteln wie die Leitungen in einem Haus gelegt
werden, aber was benötigt würde, wäre ein ganzes
Bild davon zu vermittelt, wie das Haus selbst aussieht und
wofür es gebraucht werden kann.
Deshalb sollte es beim Lernen nicht nur um Leistung oder
der Erreichen eines Ziels gehen, sondern auch um Erfahrung
und Entwickelung eines Interesses, um Ehrfurcht und Wunder
und der Entwicklung eines Verständnisses von allem was
uns umgibt. Ist es das nicht, was Gott für uns will?
Er will, dass wir die Schöpfung genießen und eine
Faszination für die Dinge um uns herum entwickeln und
auch die Weisheit sie zu schöpferischem Tun zu benutzen.
Jeder Studierende in Schule oder Universität oder in
jedem anderen Kurs soll ermutigt werden, für mehr als
nur ein Zeugnis oder eine Qualifikation zu arbeiten. Sicher,
der tiefere Zweck allen Lernens ist 'lernen um zu leben'.
Ann Holt und Mike Simmonds
(Dieser Artikel erschien in 'Education Update', im Juli 2003,
herausgegeben von CARE für Erziehung in den UK und wird
hier mit Erlaubnis des)
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