EurECA Konferenz 2001
Der Lehrer als Erzieher, Führer, Beispiel, Berater
und Visionär
Schloss Beuggen, Rheinfalden, Deutschland
Stolz steht Schloss Beuggen, der Tagungsort für
die EurECA-Konferenz 2001, über dem schnellfließenden
Rhein und schaut auf die mit Bäumen bedeckten Hügel
der Nordschweiz. Die ältesten Teile des Schlosses stammen
aus dem 13.Jahrhundert und es ist nicht schwierig, sich den
Hauptkonferenzraum gedrängt voll mit Mitgliedern des
Deutschen Ritterordens vorzustellen, der das Gebäude
gründete. Die meisten der vergangenen 200 Jahre war das
Schloss ein Zentrum zur Ausbildung von Lehrern für die
Armen und Benachteiligten, und diese Arbeit wurde aus christlicher
Motivation getan.Nun ist es ein Konferenzzentrum der Lutherischen
Kirche. So wurde es für einige Tage im späten Juli
zum fröhlichen Treffpunkt von christlichen Erziehern
aus ganz Europa.
70 christliche Erzieher aus 19 Ländern kamen zusammen,
von Norwegen bis Kroatien, von Finnland bis Portugal, von
Schottland bis Rumänien. Drei reisten aus den Vereinigten
Staaten an, und zwei aus dem noch weiter entfernten Australien.
Die Teilnehmer repräsentierten ein großes Aufgebot
von christlichem Engagement in der Erziehung. Sie kamen zusammen
aus neueren christlichen Schulen, älteren Kirchenschulen,
aus staalichen Schulen verschiedener Art, internationalen
Schulen und theologischen Seminaren. Es gab Lehrer, Schulleiter,
Lehrerausbilder, Schulinspektoren, Berater bei nationalen
Regierungen und einige waren in der Heimerziehung beschäftigt.
Einige waren Leiter nationaler Vereinigungen christlicher
Lehrer, einige arbeiten bei Organisationen, die die christliche
Arbeit in den Schulen unterstützen, und andere, um bedürftigen
Schulen in Osteuropa Klassenraumeinrichtungen zu beschaffen.
Es repräsentierte sich ein breites Altersspektrum, von
Jungen und Aktiven und jenen, die schon im Pensionsalter sind.
Die Sprecher für die Plenarsitzungen waren Dr.Lee Hollaar
aus Kanada und Dr.Ian Findlay aus Schottland. Sie führten
die Konferenzteilnehmer beim Nachdenken über die Probleme
der Führung in der Erziehung und der Schulverfassung.
Dr Findlay sprach von der Notwendigkeit einer breiteren Form
der Führung, die nicht nur die berufsmäßigen
Lehrer innerhalb und außerhalb unserer Schule, sondern
auch die Eltern, die Schüler und weitere aus der Gemeinschaft
einschließt. Er wies auch auf die Notwendigkeit hin,
die berufliche Entwicklung der Mitarbeiter zu fördern,
z.B. durch das Angebot von Führung und Unterstützung
der Schulgemeinde.
Dr.Hollaar lenkte unsere Aufmerksamkeit auf die Führung
im Zusammenhang mit einer sich ändernden Landschaft,
da die Bildungswelt sich in einer Periode befindet, die beherrscht
wird von Rationalismus und Indivuidualismus, und die sich
auf etwas Unbekanntes zubewegt, das man „Postmodernität"
nennt. Ein gemeinsamer Faden der beiden Hauptredner war, dass
christliche Erzieher die Führung mehr in Form von Gemeinschaftsaufbau
sehen müssen und die Entwicklung einer geteilten Vision,
statt einer Hierarchie alten Stils mit einer Pyramide der
Autorität.
Arbeitsgruppen suchten dieses Denken auf besondere Erziehungszusammenhänge
und Probleme anzuwenden. Diese Stärken, Schwächen,
Bedrohungen und Gelegenheiten verschiedener nationaler und
regionaler Situationen wurden von denTeilnehmern in kleinen
Gruppen analysiert. Lebhafte Plenarsitzungen teilten Bedenken
und Herausforderungen, denen wir uns in einer zunehmend weltlichen
Gesellschaft gegenüber sehen. Da Landesvertreter berichteten
und uns Gebetsanliegen gaben, erfuhren wir auch von neuen
Unternehmen, die die christliche Botschaft verbreiten.
Die EurECA-Generalversammlung fand während der Konferenz
statt, und nicht weniger als 15 neue Organisationen und 28
neue Einzelpersonen wurden Mitglieder. Damit beläuft
sich die Gesamtmitgliederzahl auf 48 Organisationen und 135
Einzelmitglieder.
Wie immer bei diesen Anlässen war ein wichtiger Punkt
die zwanglose Gemein-schaft bei den Mahlzeiten, bei Ausflügen
an interessante Plätze der Umgebung und manchmal bei
Gesprächen, nachdem die Tagessitzungen längst vorüber
waren, bis spät in den Abend hinein. Dabei wurden dauerhafte
Freundschaften geschlossen, Gedanken ausgetauscht, und die
ganze Welt der Erziehung richtig gestellt, zumindest, bis
zum nächsten Mal. Die Konferenz schloss mit einem Abendmalgottesdienst.
Für eine Weile legten wir unsere individuellen Erziehungssorgen
und Bedenken zur Seite, als John Shortt die Bibel öffnete
und mit uns den Gottesdienst feierte.Er lenkte prägnant
unsere Aufmerksamkeit auf den Mittelpunkt unseres Glaubens,
auf unseren Herrn und Heiland. Die Teilnehmer standen in einem
großen Kreis um den Tisch und feierten gemeinsam den
Tod und die Wiederauferstehung des Herrn. Es war ein bewegender
Beweis internationaler christlicher Verbundenheit hinweg über
konfessionelle, sprachliche und kulturelle Trennlinien; ein
Vorgeschmack auf das, was mit dem neuen Himmel und der neuen
Erde kommt.
Als die Konferenz zuende ging und die Teilnehmer in die vier
Himmelsrichtungen Europas und darüber hinaus auseinander
gingen, konnten sie nicht anders als erfrischt und erneut
herausgefordert Abschied nehmen. Erfrischt durch neue und
wieder erneuerte Freundschaften und durch die Verbundenheit
mit Christus; herausgefordert dadurch, dass in der sich ändernden
Welt christliche Erzieher sich eine gemeinsame Vision suchen
müssen, die über unsere eigenen Ansichten und Einflusssphären
hinausgeht.
John Muir(Schottland)
Wenn es das Ziel von EurECA ist, eine Umwelt zu schaffen,
in der „verschiedene Menschen eins in Christus sind”,
bleibt noch viel zu tun. Nur wie die Christen, die mit EurECA
befasst sind, sich gegenseitig als Brüder und Schwestern
in Christus anerkennen in der Umwelt ihrer jeweiligen Länder,
wird die christliche Erziehungsperspektive von den anderen
als eine echte Alternative zum Weltlichen angesehen.
Um das zu erreichen, muss, wie Lee Hollaar in einem seiner
Konferenzgespräche sagte „die menschliche Besessenheit
zur Kontrolle, die dem Verlangen zu dienen und zu führen”
widerspricht, überwunden werden. Das ist die Hauptherausforderung
für christliche Erzieher, deren Beruf - könnte man
sagen - eine eingebaute Empfängflichkeit für Kontrolle
hat.
Die Bemühung, die christliche Perspektive zu fördern,
was mehr ist, als Inhalte über den christlichen Glauben
weiterzugeben, war während des gesamten Programms der
EurECA-Konferenz fühlbar.Das wurde prägnant ausgedrückt
durch Dr.John Shortt, als er die Notwendigkeit nach einer
europäischen Meinung der EurECA-Mitglieder betonte. Hierarchien
auf der Basis von Sprache, Geschlecht, Herkunft, Kultur oder
Erziehung sollte nicht erlaubt werden in EurECA zu gedeihen,
forderte er. Eine europäische Gemeinschaft, unterschiedlich
im christlichen Sinne, zu bauen, braucht Zeit. Wenn wir diese
Ansicht akzeptieren, ist EurECA erst am Anfang einer langen
Reise, die gewiss erfreulich sein wird, aber, was unvermeidlich
ist, zeitweise auch schmerzlich sein wird.
Waltraud Gebhardt (Deutschland) |