EurECA Konferenz 2003
Die Lernrevolution
Evangelikales Theologisches Seminar, Osijek, Kroatien
Beim Frühstück am ersten Morgen der Konferenz, saß
ich neben Andy, einem stellvertretenden Schulleiter einer
Multi - ethnischen Schule bei London. Beim Mittagessen sprach
ich mit Kornelia und Sylvia aus Bulgarien, die kürzlich
an der Gründung einer nationalen Vereinigung für
Christliche Lehrer in ihrem ehemaligen kommunistischen Heimatland
beteiligt waren.
Und so ging es die dreitägige Konferenz weiter. Die
Vielfalt der Leute war wunderbar, wie auch der die Vielfalt
von Schulen und Ländern, die vertreten waren. Vertreter
staatlicher, kirchlicher Schulen und Schulen die der Kirche
angeschlossen aber vom Staat finanziell unterstützt wurden
(es gibt 500 solch in Ungarn!), bis hin zu Christlichen Internatsschulen
für Kinder von Missionaren (z.B. die Black Forest-Akademy
in Deutschland). Vom Norden nahmen Norweger (einschließlich
des Haupt Referenten Per Garmannslund) teil. Ein Scripture
– Union -Mitarbeiter aus Spanien war der südlichste
Teilnehmer (David war auch ein sehr angenehmer Zimmer Kollege,
er beschwerte sich jedenfalls nie wegen meines Schnarchens!).
Sein südlicher Standort wurde nur von zwei subäquatorialen
Besuchern aus Südafrika geschlagen. Anita und Neels sind
erfahrene Lehrer und Ausbilder und sie bereicherten die Diskussionen
mit einem Trans - kontinentalen Aroma.
Und Diskussionen gab es viele. Es gab Kleingruppenarbeit,
der Austausch darüber erfolgte in den Plenarsitzungen.
Dazu war jeder der drei Nachmittage frei. Dieses war ein idealer
Zeitpunkt Ideen auszutauschen, Netzwerke zu bilden und Osijek
sogar Vukovar anzusehen.
Kroatiens Dalmatinische Küste ist ein sehr beliebter
Urlaubsort für Osten und Westen Europäer. Osijek
ist nach meiner Meinung ziemlich weit davon entfernt ein solcher
Ort zu werden. Auf den Feldern außerhalb der Stadt liegen
immer noch Landmienen, die nicht geräumt wurden. Trotz
der Schwierigkeiten nach Osijek zu gelangen, war die Auswahl
des Ortes als Konferenz Ort mutig und sogar prophetisch.
Das Konferenz Thema war 'Die Lernrevolution'. Wir versuchten
das Thema und seine Bedeutung für die christliche Bildung
zu verstehen und kritisierten auch manche Elemente aus der
Sicht christlicher Lehrer. Trotz der guten Plenumveranstaltungen,
die von Per Garmannslund geleitet wurden, war es nur möglich
die Oberfläche dieses Themas zu behandeln.
Eine Einsicht, die Ich auch nach der Konferenz schätze
ist, dass lehren viel mehr bedeutet als nur unterrichten.
Diese eher ganzheitliche Sicht von Unterrichten schließt
sowohl die positive Beeinflussung von Lernenden als auch die
Weitergabe von Sachwissen ein. Diese Art ist in der Tat ähnlich
dem was im Neuen Testament 'Jüngerschaft' genannt wird.
Welche Werte, Fähigkeiten und Wissen werden Sie ihren
Schülern dieses kommende Jahr weitergeben?
Bernard Bowers (Schottland)
Bei der diesjährigen Konferenz kamen die 54 Teilnehmer
aus 15 Ländern. Wir beteten gemeinsam und tauschten Erfahrungen
aus, ermutigten einander und beschäftigen uns mit dem
Thema 'Die Lernrevolution'.
Der Gastgeber der Konferenz war das Evangelikale Theologische
Seminar in Osijek im nordöstlichen Kroatien. Diese Bildungsstätte
für tertiäre und Kirchliche Bildung wächst
beständig und die Örtlichkeiten für ein solches
Ereignis waren passend. Die Vorstandsmitglieder von EurECA
wählten diesen Ort um Teilnehmer von Osteuropa die Teilnahme
zu erleichtern. Eine gute Anzahl Teilnehmer kam dann auch
aus osteuropäischen Ländern.
Das Konferenzprogramm war mit Absicht so gestaltet, dass
nicht nur für Andachten, Unterricht und Lernen, sondern
auch für eine Fülle informellen Beziehungen Zeit
blieb. Die Teilnehmer waren dankbar dafür.
Das Programm beinhaltete eine Tour durch das historische
Osijek und einen Besuch der vom Krieg verwüsteten Stadt
Vucovar nahe der Serbischen Grenze ein. Obwohl die Zerstörung
noch überall sichtbar ist, war es eindrucksvoll Zeichen
der Hoffnung, die zehn Jahren Wiederaufbauarbeit hinterließen
zu entdecken. Wir besuchten die kleine aber wachsende örtliche
evangelische Kirche. Sie möchte die Botschaft von der
Vergebung in dieser Stadt, die von ethnischem Misstrauen geprägt
ist verkündigen. Diese Erfahrungen zeigten uns, wie viel
Unterstützung Christen in diesem Teil Europas brauchen.
Der Sprecher zum Thema ‚Die Lernrevolutionen’
war Per Garmannslund aus Norwegen. Er arbeitet dort an mehreren
nationalen und örtlichen Projekten, die sich mit neuen
Zugängen zum Lernen beschäftigen.
Der Ausdruck 'Lernevolution' wird für eine ziemlich
breite Bewegung, die in den 1980er anfing benutzt. Der gemeinsame
Nenner verschiedener Tendenzen in der Lernrevolution können
nicht mit der Aussage 'Wie klug bin ich? charakterisiert werden,
sondern eher mit dieser: ,Wie bin klug’? Dieses zeigt
eine Verschiebung der Aufmerksamkeit vom Lehrer zum Lerner.
Es erinnert uns auch daran, dass im Christlichen Glauben jeder
Mensch gaben hat, die ihn oder sie einzigartig machen, und,
die uns verpflichten, den einzigartigen Plan für jeden
Menschen zu entdecken.
Per Garmannslund sagte, dass innerhalb der Bewegung der Lernrevolution
drei Haupt Richtungen unterschieden werden können:
a) die Bewegung des beschleunigten Lernens
b) die Lernstil Bewegung
c) die Bewegung der vielfachen Intelligenzen
Die verschiedenen Methode des 'Beschleunigten Lernens’
wollen leistungsfähigeres Lernen erzeugen. Diese Bewegung
erinnert an die Wichtigkeit des visuellen, auditiven und praktischen
Lernens, an die Wirkung des Unterbewusstseins wie auch der
Zusammenarbeit auf den Lernprozess. Es muss jedoch angemerkt
werden, dass diese Richtung sich hauptsächlich mit Lernen
und Erinnerung bzw. Gedächtnis beschäftigt d.h.
der Erwerben von Sachwissen und nicht die Werte Orientierung
und Einstellung. Es reduziert den mehrdimensionalen Menschen,
der nach dem Bild Gottes gemacht wurde zu nichts als ein ‚Gehirn
auf Beinen’.
Das 'Lernstil Bewegung’ nimmt an, dass jede Person
ihren eigenen individuellen Lernstil entwickelt, der genauso
individuell wie ein Fingerabdruck ist. Das Ziel ist seinen
eigenen individuellen Lernstil kennen zu lernen und dieses
Wissen für beste Lern Ergebnisse anzuwenden. Folglich
ist es Aufgabe der Schule, die richtigen Zeiträume für
Freie Beschäftigung zu ermöglichen, so dass Schüler
gemäss ihrem eigenen Stil lernen können.
Die 'Multiple Intelligenzen Bewegung’ hat den Glauben
der bis in die 80ziger Jahre vorherrschte widerlegt, dass
Intelligenz angeboren und statisch ist und, dass sie mit einer
einzigen Methode, bekannt als den IQ Test gemessen werden
kann.
Howard Gardner hat vorgeschlagen, dass es eine Anzahl von
Intelligenzen gibt z.B. linguistisch, logisch - mathematisch,
räumlich, körperlich - kinästhetisch, musikalisch,
zwischenmenschlich, intra - persönlich usw.
Die Lernrevolution hat einige in unserer Kultur vorhandenen
Mythen hinterfragt. Vier davon beeinflussen immer noch unser
Verhalten in Klassenzimmern:
- Lernen ist schmerzhaft (Frage: Wie kann Lernen mehr Freude
machen?)
- Lernen findet isoliert statt (Wie könnte Lernen
sozialer werden?)
- Lernen hat nichts mit dem Rest des Lebens zu tun (Wie
könnte Lernen bedeutungsvoller und realer werden?)
- Lernen geschieht nur mit dem Verstand (Wie könnte
Lernen multi- sensorisch werden?)
Einige Kritikpunkte der Lernrevolution aus Christlicher Perspektive
und deren praktische Konsequenzen wurden in Gruppen diskutiert.
Literaturangaben
- Accelerated Learning, Colin Rose, 1985
- The Learning Revolution, G.Dryden & J.Voss, 1994-
Bringing Out the Giftedness of Your Child, Rita Dunn, 1992
- „Intelligenzen: Die Vielfalt des menschlichen Geistes“
Howard Gardner. - Stuttgart : Klett-Cotta, 2002
Matthias Kägi (Schweiz)
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