Der Mut zu Unterrichten
(The Courage to Teach) von Parker J Palmer
Buchbesprechung von John Shortt
,,Dieses
Buch ist für Lehrer, die guten Tage und schlechten Tage
gehabt haben, und deren schlechten Tagen das Leiden, das nur
aus etwas kommen kann, was man liebt. Es ist für Lehrer,
die sich weigern, hartherzig gegenüber Schülern
zu werden, weil sie die Lerner, das Lernen und die Unterricht
lieben.” So schreibt Parker Palmer in der Einleitung
dieses Buches (S.1). Beschreibt dieses Zitat Ihnen? Wenn so,
es ist ein Buch für Sie.
Was Sie nicht finden werden
Wenn Sie für ein Satz Methodik und Technique
suchen, werden Sie es bestimmt nicht hier finden. Was Sie
finden werden ist, glaube ich, etwas viel wichtiger. “So
wichtig wie Methodik sein mag”, sagt Palmer, “das
praktische, was wir durch irgend eine Arbeit erreichen können
ist die Einsicht in das, was in uns während der Arbeit
passiert.” “Mich selbst zu kennen” sagt
er, “ist für gute Unterricht so wichtig als meine
Schüler zu kennen und mein Fach zu wissen.” (S.2)
Wenn Sie ein Buch das ausdrücklich auf jede Seite christlich
ist, werden Sie es hier auch nicht finden. Palmer hat es für
ein breites Publikum geschrieben und nur selten kommt seinen
christlichen Glauben aus der Quaker Sicht bis an die Oberfläche
vor. Obwohl es nicht oft sichtbar ist, ist es überall
markbar, dass, was er sagt von seinem tiefen Glaube geprägt
ist.
Was Sie finden werden
Wenn Sie ein Buch suchen, das von einem Lehrer der
das Unterrichten liebt, und dessen Liebe für Lehren durchaus
sichtbar ist, dann werden Sie dieses Buch gern lesen.
Es ist ein sehr ehrliches Buch. Der Autor gibt seine Misserfolgen
und Entäuschungen zu. Er schreibt “als Sommer eine
langsame Kurve in den Herbst machte” ging er in ein
Klassenzimmer im Kolleg und damit in sein drittes Jahrzehnt
als Lehrer. Er schreibt: “Ich ging an dem Tag mit Dankbarkeit
für noch eine Möglichkeit zu Lehren bevor meiner
Klasse. Das Lehren wirkt in meiner Seele so viel wie irgend
eine Arbeit, die ich kenne. Ich kam aber an dem Abend nach
Hause, davon überzeugt, dass ich diese vereitelnde Berufung
nie bewältigen. Geärgert durch einige meinen Schülern
und verlegt durch meinen eigenen Fehlern, überlegte ich
eine wiederholende Frage: Wäre es noch zu meinem Alter
Möglich, eine andere Art Arbeit zu finden, vielleicht
auch noch etwas, was ich verstehe? (S.9).
Palmers Beschreibungen von Schülern und Lehrern, die
er kennengelernt hat und von Erfahrungen, die er im Klassenzimmer
gehabt hat sind sehr lebhaft und lebensnah. Es ist, zB. Seine
Beschreibung der anscheinend mürrischer und schweigsamer
‘Schüler aus der Hölle,’ mit wessen
Gleichgültigkeit er durch die ganze Lexion beschäftigt
war, sogar bis dahin, dass er die Nöte der anderen neunundzwanzig
Schülern im Klassenzimmer nicht wahrnehmen konnte. Eine
Unterhaltung mit dem Schüler danach und weitergehende
Korrespondenz hat Palmer geholfen, ihm als vom Himmel gesandt
zu sehen.
Der zentrale Brennpunkt
“Guter Unterricht”, beginnt Palmer, “kann
nicht in Technik verbilligt werden; guter Unterricht kommt
durch die Identität und Unverfälschtheit des Lehrers.”
(S.10). Palmer entwickelt das Thema durch Kapiteln mit folgenden
Titeln: Eine Kultur der Angst: Erziehung und das abgetrenntes
Leben; Die verborgene Ganzheit: das Paradox in Lehren und
Lernen; das Wissen in der Gesellschaft: durch die Gnade von
grösserer Sachen zusammengebracht; das Unterrichten in
der Gesellschaft: Fachbezogene Erziehung; das Lernen in der
Gesellschaft: das Unterhalten von Kollegen; und Nicht länger
Abgetrennt: das Unterrichten aus einem Herzen der Hoffnung.
Es ist durchaus ein Schwerpunkt auf Ganzheit gesetzt. Als
eine Schülerin gefragt wurde, über ihre guten Lehrern
zu erzählen, sagte sie, dass dies Unmöglich war,
weil sie so unterschiedlich waren. Sie konnte allerdings ihre
schlechten Lehrern beschreiben, weil sie alle gleich waren;
sie sagte, “ Ihre Wörter schweben irgenwo vor ihren
Gesichter, wie das Reden in einem Cartoon.” Palmer ergänzt:
“Mit einem Bild hat sie alles gesagt. Schlechte Lehrer
distanzieren sich von den Fächern, die sie unterrichten
– und im Verlaufe des Geschehens, von ihren Schülern.
Gute Lehrer vereinen Fach und Schülern in das Gewebe
des Lebens.” (S.11).
Dieses Buch hat auch seine Mängel – welches Buch
hat keine? Ins Besondere möchte ich gesehen haben, etwas
über John Calvins Schewerpunkt auf der Bindung zwischen
Selbstkenntnis und Gotteskenntnis. In wirklichkeit kennen
wir uns selbst besser, wenn wir Ihn besser kennenlernen. Nachdem
aber, dass ich es gesagt habe, würde ich dieses Buch
an allen christlichen Lehrern empfehlen, sogar an allen Lehrern
überhaupt. Das Lesen darin wird, glaube ich, das Leben
jenige Lehrern die den Unterricht gern haben, erreichern.
John Shortt |