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IST WELTBILD-NEUTRALE BILDUNG MÖGLICH UND WÜNSCHENSWERT? EINE CHRISTLICHE ANTWORT AUF LIBERALE ARGUMENTE
Von Signe Sandsmark
Buch Rezension von Clarence Joldersma
In diesem lohnenden Buch behauptet Signe Sandsmark, dass es weder möglich noch wünschenswert ist, neutral zu lehren. Ihre These ist, dass alle Bildung, sogar die, die von sich anderes behauptet, aufgrund eines bestimmten Weltbildes entworfen wird und (stillschweigend) dafür eintritt. Ihre Hauptanalyse ist, was sie liberale Erziehung nennt, eine Sichtweise, die glaubt, dass Erziehung ohne jeglichen weltanschaulichen Standpunkt auskommt und ohne religiöse oder weltanschauliche Perspektiven gelehrt werden kann. Sandsmark behauptet, dass kein Pädagoge es vermeiden kann, eine Sicht auf die Welt und ein sogen. gutes Leben zu fördern. Alle Bildung ist innerhalb eines Weltbildes, Liberalität eingeschlossen.
Durch das Analysieren bestimmter Theoretiker innerhalb der liberalen Tradition zeigt Sandsmark sorgfältig die Voraussetzungen des liberalen Weltbildes einschließlich seiner Betonung auf rein Menschlichem, auf der Autonomie von der Person und auf dem privaten und fakultativen Charakter der Religion. Sandsmark behauptet, dass dies nicht neutrale Annahmen, aber stattdessen anfechtbare Ausrichtungen sind, die das eigentliche Herz der Religiösen oder des Weltbildes formen und die Liberalität bilden.
Das Buch ist in sechs Kapitel, jedes mit mehrfachen Untertiteln, eingeteilt. Das Einführungskapitel erlaubt die Einordnung der Arbeit in zwei nationale Bildungskontexte: England, wo Sandsmark ihre Absolventenbildung beendete, und Norwegen, wo sie gegenwärtig lebt und arbeitet. In Kapitel zwei artikuliert sie das Weltbild, aufgrund dessen sie argumentiert, ein evangelisch lutherisches. Sie entwirft dieses mit Luthers 'zwei Regierungen': die 'säkularen Regierung' ist, die Welt, und die 'geistliche Regierung' ist die Rettung der Menschen durch Christus. Für Sandsmark bedeutet dies, dass lutherische christliche Bildung als Bildung in die „säkulare Regierung“ eingebunden ist, mit der Aufgabe betraut gesellschaftliche Rechte zu wahren. Der Zweck lutherischer Bildung ist als Ergebnis 'Dienst für Gott' (S. 24), ' anderen Gutes tun bedeutet Gott zu dienen' (S. 29). Sie zeigt eindeutig, wie die Betonung auf Dienst für andere aus einem von den zwei Regierungen entworfenen lutherischen Weltbild heraus folgt.
Dies ist die Basis für Kapitel drei bis fünf, ihre Argumentation gegen die Neutralität von Unterricht in den allgemein bildenden Fächern einschließlich dessen, was liberale christliche (oder religiöse) Bildung genannt wird. Der Zweck des Unterrichts in den allgemeinbildenden Fächern, entsprechend Sandsmarks Literaturüberprüfung, ist letztlich, den Studenten zu egoistischen, autonomen Wesen, zu erziehen. Ihr Argument ist, dass dies im Wesentlichen mit der lutherischen Idee kollidiert, anderen zu dienen. Unterricht in den allgemein bildenden Fächern wird nicht einfach als neutral betrachtet.
Das letzte Kapitel ist eine Diskussion der möglichen Stellung christlicher Bildung in Regierungs- oder Staatsschulen. Der Schluss wird gezogen, dass selbst eine säkulare Bildung unneutral bezüglich ihrer Achtung anderer Weltbilder ist. Sie entwickelt hier eine sorgfältige Diskussion über die Möglichkeit, dass Nichtchristen christliche Werte lehren bzw. über die Richtigkeit ein christliches Weltbild in einer Multiperspektivengesellschaft. Sie endet mit dem Argument, dass christliche Erziehung bessere Erziehung ist, als liberale Erziehung, weil sie auf den „Anderen“ und nicht auf „sich selbst“ ausgerichtet ist und so besser in der Lage ist den negativen Kräften des Egoismus und Materialismus (S. 139) in der Gesellschaft zu begegnen.
Sie weist auch darauf hin, dass christliche Bildung besser für die persönliche Entwicklung, für Staatsbürgerschaft und für das realistischere Verstehen der menschlichen Natur ist, weil sie alle Bildungskriterien erfüllt. Und endlich ist es besser nicht vorzugeben Weltbild-neutral zu sein, wenn dies unmöglich ist.
Wie John Shortt in seinem Vorwort zu dem Buch sagt, gibt Sandsmark einen Überblick 'mit Genauigkeit und Demut'. Sandsmark schreibt sorgfältig, und übertreibt nicht und macht auch keine übermäßigen Behauptungen. In der Sprache verstehbar von Bildungspraktikern und Nicht-Spezialisten zeigt sie einen interessanten Blick auf die Neutralität der Liberalität in Bildung. Obwohl ihr unmittelbarer Kontext England und Norwegen ist, dominiert diese Version der Liberalität sowohl in anderen Teilen von Europa als auch in Nordamerika immer noch stark die erzieherischen Theorie und Praxis. Die Suche nach Autonomie und Selbstverwirklichung in ihren vielen Fassetten ist in der Bildung noch sehr bedeutend. Auf diese Art kann Sandsmarks Beitrag uns sorgfältige Argumente überreichen, die uns zeigen, dass Liberalität keinesfalls neutral ist und deshalb auch kein wünschenswerter Zweck für Bildung sein kann. Ihr zweiter signifikanter Beitrag in diesem Buch ist ihr Argument, dass eine Erziehung, die eingerahmt ist vom Gedanken, dem anderen zu dienen, sich fundamental unterscheidet vom liberalen Anspruch und besser ist für beide: die Individuen, die erzogen werden und für die Gesellschaft, in die eine solche Erziehung eingebunden ist. Ihre sorgsam bedachte Art, dieses zu artikulieren, macht das Buch interessant und lohnend.
Ich habe auch einige geringfügige Kritiken am Buch als Buch. Sandsmarks Vorwort macht klar, dass dieses Buch eine überarbeitete Version ihrer Doktorarbeit ist. Als Vortrag liest es sich sehr gut. Aber manchmal zeigt es, dass seine wissenschaftliche Struktur den Leser zu sehr von der eigentlichen Aussage ablenkend. Die formelle Struktur von Abschnitt und Unterabteilung des Buchs ist zu detailliert, und manche der Abschnitte zu kurz. Dies beeinträchtigt den Fluss von Ideen innerhalb eines Kapitels. Viel detaillierte Argumentation um besondere Theoretiker herum zu strukturieren hätte verändert werden können. Zum Beispiel gibt es einen langen Abschnitt, der die liberalen Ansichten von John White erörtert, und einen anderen langen Abschnitt, der die leicht verschiedenen liberalen Ansichten von Kenneth Strike erörtert. Als Buch wäre es besser gewesen, diese Abschnitte auf besondere Streitfragen innerhalb der Liberalität anstatt besonderen Theoretikern auszurichten. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass dieses Buch hauptsächlich ihre Dissertation ist, hat Sandsmark eine bemerkenswerte Arbeit geleistet, in dem sie ihr Wissen mehr als nur dem Dissertationskomitee zugänglich gemacht hat.
In der Tat scheint es mir, dass jeder, der an Bildung aus einer christlichen Perspektive nachdenken möchte dieses Buch lesen sollte. Sandsmarks lutherische Sicht auf christliche Erziehung ist sehr interessant, einerseits, weil es zeigt, dass es keine generische christliche Perspektive, aber dass es schon besonderer religiöser Traditionen gibt. Und, diese Diskussion im Kontext eines tiefen Problems innerhalb Modernität - d.h. des Mangels an Neutralität der Liberalität zu platzieren, leistet ihr Buch einen wichtigen christlichen Beitrag. Ich empfehle ihr Buch wärmstens.
Clarence W Joldersma
(Diese Buch Rezension erschien zuerst im Journal of Education & Christian Belief 5:2 (Herbst 2001, pp. 160-161) und wird hier abgedruckt mit Genehmigung.) |